2006
Piraten schnappen sich den Pokal
Mobile Jugendsozialarbeit organisiert Turnier für Freizeitfußspieler
Weißenfels/MZ. Die Saale-Piraten hielten am Ende den großen Pokal in der Hand. Die Freizeitfußballer hatten nämlich das Hallenturnier der Mobilen Jugendsozialarbeit Weißenfels gewonnen.Die Mannschaft um Teamchef Marco Goßrau konnte sich im Finale gegen Teucherner Land mit 1:0 durchsetzen. Nach der Vorrunde war der Sieg nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Die Piraten spielten zwar gut, entpuppten sich vor allem gegen Hohenmölsen als so genannter Chancentod. Beste Gelegenheiten wurden reihenweise ausgelassen. Sie schafften ein knappes 1:0.
Zu diesem Zeitpunkte herrschte im Teucherner Lager noch Hochstimmung. Atletico
Teuchern hatte gerade den Jugendclub Gerstewitz mit 4:1 abgefertigt und Marcel
Fleischer im Trikot des Bayern-Stürmers Makkay teilte seinen Mannschaftskollegen
mit, im nächsten Match von Anfang an vorn spielen zu wollen. Offensichtlich war er nach seinen drei Toren gegen Gerstewitz auf den Geschmack gekommen. Wie dem auch sei,
mit dem Team Teucherner Land bestritt eine zweite Mannschaft der Kicker des Ortes die
Vorrunde. Das führte bei Marcel Fleischer und Ronaldo - alias Steven Freyer zu der Erkenntnis, dass damit eine doppelte Chance auf den Sieg besteht.Zur Mini-WMsind wir Argentinien gewesen, sagte Fleischer, der beim VfB Nessa in der A-Jugend spielt.Wir sind Zweiter geworden.Die besagte Mini-WM im Sommer gehörte zu den sportlichen
Angeboten der Mobilen Jugendsozialarbeit. Fußball in der Halle oder auf Kleinfeld in Schkortleben, dazu Volleyball-Turniere das Interesse der jungen Leute ist ungebrochen. Innerhalb einer Woche nach der Ausschreibung sind die Hallenturniere ausgebucht,sagte Thomas Ganz von den Veranstaltern. Zum Teil müssen wir Mannschaften vertrösten, weil die Kapazität ausgeschöpft ist. Wir bräuchten eigentlich eine Zwei-Felder Halle. Allerdings sind die Jugendpfleger schon froh, wenn sie bei der Bundeswehr auf dem einen Feld spielen dürfen - und zwar zum Nulltarif. Zurück zu den Siegern, die Saale-Piraten gebe es schon seit Jahren, wie Stephan Obst sagte. Man treffe sich sonntags in der Sporthalle. Um die Zeiten dafür zu bekommen, hätten sich die Freizeitspieler dem Sportverein in Großgöhren angeschlossen. Der Termin für eine mögliche Revanche an den Piraten steht übrigens schon fest. Am 24. April findet das nächste Turnier der Hallenmasters in Hohenmölsen statt.
Therapieraum für fliegende Fäuste
“Aktion Mensch” bringt 5000 Euro
Fördergeld in die Pestalozzischule-
Sozialarbeiter begleiten Projekt
Weißenfels/MZ. Ein junger Schüler liegt
auf dem Boden, darüber hockt ein
größerer Junge und holt aus.
Jugendarbeiter Mario Kabisch greift ein,
redet mit den Steithähnen
auf dem Pausenhof der Pestalozzischule.
Seit vier Monaten kommen Mario Kabisch
und Thomas Ganz regelmäßig in diese
Schule,reden mit den jungen Leuten,
schlichten Streit.
“Es tut unseren Schülern gut, mal zwei junge Männer als Ansprechpartner zu haben.”
Susan Rösinger
-Förderverein-
Es tut unseren Schülern gut, mal zwei junge Männer als Ansprechpartner zu haben. Wir sind nämlich fast nur Frauen ,sagt die pädagogische Mitarbeiterin Susan Rösinger, die sich im Förderverein engagiert. Gemeinsam setzen sich Schule Sozialarbeiter und Förderverein mit dem Thema Gewalt auseinander. Im täglichen Unterricht fängt es meist verbal an, setzt sich über Unaufmerksamkeit, stetiges Zappeln fort und kann bis zum gewalttätigen Wutausbruch führen.
“Das Aggressionspotenzial mancher Schüler ist hoch. Es liegt begründet in ihren psychischen Voraussetzungen. Viele Kinder haben kein intaktes Zuhause”, beleuchtet Schulleiterin Angelika Mösch soziale Hintergründe. Mancher ihrer Sprösslinge kennt keine Regeln und Verhaltensnormen, keine Grenzen. Kleine Rempeleien auf dem Schulhof gehören durchaus zum Alltag. Nachdem die MZ im Rahmen ihrer Aktion ”Wir hefen” im Außengelände einen Fit-for-Fun Park geschaffen hat, soll jetzt ein neuse Projekt starten. Gemeinsam mit Jugendsozialarbeitern bewarb sich der Förderverein der Pestalozzischule bei der”Aktion Mensch”
und erhielt einen Scheck in höhe von 5000 Euro. “Von diesem Geld soll der heutige Raum
einer 9. Klasse zu einem Anti- Aggressionsraum umgestaltet werden”, blickt die Schulleiterin
voraus. Dabei baut sie auf die Hilfe der Mitglieder des Schulfördervereins, die bei der
Sanierung und Renovierung tatkräftig zupacken wollen.
Das Geld der”Aktion Mensch” soll vor allem in Materialkosten fließen, an einen Boxsack
und ein großes Trampolin ist dabei gedacht. Der Raum soll auch nachmittag genutzt.
“Wir wollen damit erreichen, dass sich die Agressionen nicht gegen die Mitschüler und
Lehrer richten. Im Konflicktfall soll das Kind gemeinsam mit einem pädagogischen Mitarbeiter
die Klasse verlassen, die Agression im neuen Raum auslassen. Nicht nur der eine Schüler
profitiert davon, die anderen könnten in Ruhe weiter lernen”, beschreibt Frau Mösch das
Vorhaben. Doch bis im neuen Schuljahr der Startschuss fällt, bleibt es bei der Strategie der
kleinen Schritte. Dienstags sind die Jugendsozialarbeiter im Haus und schlichten manchen
Streit.
Vollyball-Mix-Turnier
Armeesporthalle 22.10.2006
Gütesiegel für Jugendschutz
ILBM Jugendsozialarbeiter starten eine freiwillige Aktion in Weißenfels.
Mit einer orangenen Plakette wollen die Jugendsozialarbeiter Thomas Ganz und Mario Kabisch für ihre neue Aktion werben .”Das ist eine Art Gütesiegel für den Jugendschutz. Wir wenden uns damit an Gaststätten und Getränkehandel,
Diskotheken und Videotheken und fordern sie auf, sich freiwillig an die Gesetze zu halten”,erklärtThomas Ganz das Anliegen. Den Anfang wollen wir in der Kreisstadt Weißenfels machen. Träger der Aktion ist einmal mehr die Intressengemeinschaft Bildung Leuna-Merseburg (IBLM). Doch auch das Weißenfelser Ordnungsamt stärkt den Jugendsozialarbeitern den Rücken, geht mit ihnen gemeinsam auf Tour. Umstritten ist beispielsweise, dass an Kinder unter 16 Jahren kein Alkoholverkauft werden darf. Zwischen 16 und 18 Jahren ist es schon schwieriger, Bier und einzelne Getränke wie Bibop sinderlaubt.Die angesagten Alkopops hingegen dürfen nicht- weder in Diskotheken, Jugendclubs oder Kaufhallen- an unter 18 Jährige ausgegeben werden. Die Jugendsozialarbeiter wollen bei der Umsetzung praktische Schützenhilfe geben, Handlungsanleitungen ausreichen, mit Gastwirten und Unternehmern ins Gespräch kommen.
Das Gütesiegel ist eine Idee von uns und wir suchen freiwillige Mitstreiter. Bislang istjedoch die Resonanz nicht so gut”,sagt Mario Kabisch. Gemeinsam mit dem Ordnungsamt wollen die Jugendsozialarbeiter durch die Kreisstadt ziehen ,Gaststätten und Läden für das Mitmachen gewinnen. Mitstreiter erhalten dann jenes Siegel,das sie gut sichtbar in ihrer Einrichtung anbringen.
Quelle MZ 17.02.2006
Von der Parkbank ins Leben
Ein 17 -jähriger Obdachloser bezieht seine eigenen vier Wände
- Neuer Anfang geplant
Weissenfels/MZ. Ein Kleintransporter mit Couch und Wohnzimmerschrank steht vor dem Weissenfelser KöSa- Möbellager. Michael(Name geändert)dreht mit Sozialarbeiter Thomas Ganz eine Runde.
“Eigentlich bräuchte ich noch Küchenmöbel, eine Spüle und ein Kühlschrank wären schön”,sagt der 17- jährige. Doch die Möbelbörse ist wie leergefegt.
Für die Küche nichts zu finden.
Der junge Mann richtet sich seine erste eigene Wohnung ein. Zwei Zimmer, 38 Quadratmeter und ein Neubeginn. “Vor lauter Aufregung konnte ich die letzte Zeit überhaupt nicht schlafen”, plaudert er.” Ich dachte, irgend ein Haken wird die Sache noch zum Platzen bringen.”Ein neuer Anfang soll es werden,ein Ausstieg von Obdachlosigkeit und Zukunftsangst.
Der 17-jährige will auf eigene Füße kommen. Mit 13 Jahren wollte ihn seine Mutter nicht mehr zu Hause haben.Gab ihn über das Jugendamt zu einer Pflegefamilie,später ins Heim und ins betreute Wohnen. Als er ein Jahr alt war,trennten sich seine Eltern.Die Mutter behielt das Sorgerecht, den Vater fand er erst nach 14 Jahren wieder.
“Wenn ich 18 werde, möchte ich meiner Mutter
zeigen, das ich es auch ohne ihre Hilfe geschafft habe.”
Michael
Ehemals Obdachlos
“Mein Vater kehrte erst vor drei Jahren aus den alten Bundesländern zurück, ist jetzt arbeitslos und kann mir finanziell nicht helfen”, erzählt
Michael. Vor gut einen Jahr - so sagt er geriet er in “Turbulenzen”, hing an der Flasche und draußen rum, Stress und Prügel vom Steifvater,
die Beziehung zur Freundin ging in die Brüche. Michael hatte Null Bock, ging nicht auf Arbeit, verlor seine Lehrstelle , den Platz beim
betreuten Wohnen und den Halt unter den den Füßen. Irgendwann im Frühjahr war er ohne festen Wohnsitz, keine Adresse - obdachlos.
“Die ersten Wochen kam ich noch bei einem Kumpel im Kinderzimmer unter. Als jener eine Freundin hatte, war auch das aus. Ich schlief
mal auf den Bahnhof, ein anderes mal auf der Parkbank und wenn ich Glück hatte, bei einem Kumpel” erinnert er sich an diesen Sommer.
Gelegentlich nahm ihn der Vater auf, und irgendwann war er wenigstens im Obdachlosenheim offiziell gemeldet, aber kaum anwesend.
Irgendwann ein Anruf beim Team der mobilen Jugendarbeit, der erste Kontakt mit dem Sozialarbeiter: “Michael wollte sein Leben wieder
selbst in die Hand nehmen, war der aktive Teil. Wir haben ihn auf diesen Weg begleitet”, sagt Thomas Ganz und erzählt von Besuchen bei
der Mutter, von Verhandlungen mit dem Jugendamt und den Hürden bei der Wohnungssuche. Der 17-Jährige selbst kümmerte sich um
seine finanzielle Lage, bezieht heute Harz IV und schrieb die ersten Bewerbungen für eine Lehrstelle. Mit seinem guten Realschul-
abschluss rechnet er sich eine Chance als Elektroniker oder im kaufmännischen Bereich aus. Seit 1. November hat er einen festen
Wohnsitz, mit einem Erziehungsbeistand auch Boden unter den Füßen. “Wenn ich im Frühjahr 18 werde, möchte ich meine
Mutter einladen und ihr zeigen,dass ich es auch ohne ihre Hilfe geschafft habe”, sagt der junge Mann und kämpft um eine Lehrstelle.
Quelle /MZ